Trainingslager auf Fuerteventura – von der optimalen Vorbereitung für Tokyo bis zum bitteren Corona-Ende

HSV Team Foto: privat

Anfang März machten sich – in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal – TOP-Athleten des HSV auf den Weg in die wärmende Sonne der Kanaren. Die Leitung oblag wie immer bei unserer erfahrenen Landestrainerin Shila Sheth. Begleitet wurde sie durch die ehemalige Freiwasserschwimmerin und Physiotherapeutin Friederike Hardinghaus, die mit ihren Zauberhänden für die notwendige Regeneration sorgen konnte und dem Heimtrainer der SG Frankfurt, Mark Jayasundara.
Es sollten die letzten wichtigen Schritte auf dem Weg zu den Deutschen Meisterschaften, der Qualifikation sein und letztendlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen sichern. Die Rahmenbedingungen waren wieder einmal optimal. Dank der Hilfe durch das Hessische Ministerium des Innern und für Sport (HMdIufS), dem Landesportbund Hessen (LSBH) und dem Hessischen Schwimm-Verband (HSV), sowie einer eigenen Beteiligung der Sportler konnte das Projekt kurzfristig gestemmt werden. Mit Reva Foos, Marco Koch, Jan-Philip Glania, Lucas Matzerath, Niklas Frach hatten sich als mögliche Qualifikanten für die Olympischen Spiele angemeldet. Marco hatte sein Ticket für Tokyo schon vorzeitig in Luxemburg gelöst.
Welch tiefgreifenden Stellenwert diese Trainingsmaßnahme für die Sportler hatte, das mögen die drei nachfolgenden Stellungsnahmen zeigen.

M. Koch und S. Sheth Foto: F. Hardinghaus

„Dank des Hessischen Ministeriums des Innern und des Sports und des Landessportbundes Hessen hatten wir hessischen Schwimmer die Möglichkeit, uns unter der Sonne von Fuerteventura optimal auf die Qualifikationswettkämpfe für die Olympischen Spiele in Tokyo vorzubereiten. Gemeinsam mit unseren Trainern konnten wir einige Schwerpunkte legen und uns den letzten Feinschliff für die kommenden Wochen holen. Neben dem harten Training im Wasser und an Land haben wir aber natürlich auch den einen oder anderen freien Nachmittag am feinen schwarzen Strand und am Pool verbracht und Kraft und Sonne getankt (der richtige Wechsel von Belastung und Erholung ist ein bedeutender Leistungsparameter und entscheidet über Erfolg oder Niederlage/Red.). Es hat uns sehr viel Spaß gemacht und wir hoffen, dass auch in Zukunft noch Maßnahmen dieser Art gefördert werden.“ (vor allem auf dem Hintergrund der Verschiebung der OS nach 2021/Red.) (Reva Foos)
„Das Trainingslager hat mir sehr gut getan. Ich hatte alle Unterstützung vor Ort, die ich brauchte. Aus Trainersicht haben Shila (und Mark) sehr gut mit meinem Heimtrainer Robin (Gelnhausen) zusammengearbeitet, und die physiologische Betreuung durch Frida hat mich durch das harte Training gebracht. Insofern waren die guten Trainingsergebnisse fast ein Muss und ich bin mehr als zufrieden!“ (Niklas Frach)
Ich bin sehr dankbar, dass der Hessische Schwimm-Verband mir auch kurzfristig diese Möglichkeit gegeben hat. Ich konnte mir in einem super organisierten und betreuten Trainingslager auf Fuerteventura den letzten Feinschliff für die Olympia-Qualifikation haben. Schon im März draußen bei 26 Grad und Sonne trainieren zu können, das macht einfach GUDE Laune.“ (Jan-Philip Glania)

Doch nach der Rückkehr kam dann „das dicke Ende“. Corona hatte Einzug gehalten. Es zeigte sich bald die Ungleichheit zwischen den verschiedenen Sportarten. Dort wo Bäder schon geschlossen waren/wurden, hockten noch 50.000 Menschen im Stadion und begeisterten sich an den Leistungen von Millionären. Erinnerungen an den Film `Balduin der Trockenschwimmer´ wurden wach. Da wo man sich letztendlich Gemeinsamkeit und Solidarität erwartet und erhofft hatte, zeigte sich mit zunehmender Dynamik die Ungleichheit im Sport. Dort wo nicht einmal zwei Schwimmer gleichzeitig in einem 50-m-Becken trainieren durften/dürfen, erlaubt man anderenorts wieder gemeinsames Training in der gleichen Sportart oder anderen Sportarten. Am Ende des Tages bleibt ein Flickenteppich von Lösungen übrig, der mehr Frust als Freude offenbart, wie u.a. auch ein Beitrag von Prof. Dr. Felix Ecker in der Fuldaer Zeitung darlegt (Überschrift: unverständlich und ungerecht).
Wie auch immer, Tokyo steht vor der Tür. Die Chance mögliche Fehler in der jetzigen Vorbereitung auszumerzen, sie ist gegeben. Es tun sich neue Möglichkeiten auf und dem einen oder anderen Sportler hat vielleicht gerade noch dieses zusätzliche Trainingsjahr bis 2021 gefehlt, um fit für den großen Wurf zu sein. Beste Gesundheit und viel Erfolg!

Dr. Werner Freitag – Ehrenpräsident des Hessischen Schwimm-Verbandes e.V.