Online Interview mit Jenny Mensing- In der Coolness liegt die Kraft

Am 24.06.2020 geht die Q&A Serie mit den durch die Landestrainerin, Shila Sheth, befragten erfolgreichsten und erfahrensten hessischen Athleten in die vorerst letzte Runde. Stargast ist diesmal Jenny Mensing vom SC Wiesbaden – die sozusagen Dienstälteste unter den hessischen Topschwimmern. Sie strahlt eine unverkennbare innere Ruhe und Gelassenheit aus, während sie dem Schwimmnachwuchs von ihrer sportlichen Karriere und ihrem Leben als Leistungsschwimmerin erzählt.

J. Mensing – Foto: Jo Kleindl

Persönliches:
Jenny, die ursprünglich aus Berlin stammt und dort aufwächst, kommt bereits recht früh in ihrem Leben in Kontakt mit dem Schwimmsport. Die dortigen Trainer sehen jedoch nicht genügend Potential in ihr, weshalb sie sich an Ballet und anschließend Judo versucht, letztendlich aber wieder im Becken landet, wo sie ihre große Leidenschaft sieht. Dort bleibt sie schließlich und wechselt in der zehnten Klasse auf ein Sportinternat in Berlin, um sich dem Training in nun größerem Umfang widmen zu können. Um ihre sportliche Karriere auch im Berufsleben weiter vorantreiben zu können, zieht die junge Athletin in die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden, um ihre Fachhochschulreife zu erlangen und im Anschluss Teil der Sportfördergruppe der hessischen Polizei zu werden. Auch wenn die Bedingungen dort laut Jenny nicht immer optimal sind, hat sie sich über die Jahre hinweg in Wiesbaden ein positives privates und sportliches Umfeld geschaffen und fühlt sich dort heimisch. Die auf ihren Fußrücken tätowierten olympischen Ringe mit den Zusätzen „Ausdauer“ und „Schnelligkeit“, sowie Federn, die für Leichtigkeit stehen, erinnern sie jeden Tag an ihren großen olympischen Traum.
Training:
Anders als bei den meisten Sportlern hat der Trainingsausfall durch die Corona Pandemie für Jenny eine eher unbedeutende Rolle gespielt, da sie sich zu diesem Zeitpunkt einer Operation am Fuß unterziehen musste und demensprechend eine Trainingspause eingeplant hatte. Zur Zeit ist sie dabei sich nach und nach wieder an das Schwimmen und zunehmend längere Wasseraufenthalte zu gewöhnen – zwei Stunden Training am Stück sind jedoch noch nicht möglich.
Generell trainiert die Rückenspezialistin sehr vielseitig und beschränkt sich dabei nicht ausschließlich auf ihre Hauptlage. Ihre Lieblingstechnikübung: Skullen für ein gutes Wassergefühl. Auf die Frage, worin sie ihre technischen Stärken sieht, nennt Jenny ihre gute Wasserlage, die sie von den meisten Rückenschwimmerinnen abhebt. Persönliche Reserven sieht sie im Start- und Wendenbereich. Besonders reflektiert spricht die erfahrene Athletin über das Thema Regeneration. Mit zunehmendem Alter habe sie gelernt auf ihren Körper zu hören und für genügend Erholung zu sorgen. Dafür gehöre es für Jenny – neben ausreichend Schlaf – auch Dinge zu tun, die ihr Spaß machen.

TN beim Online-Interview. Foto S. Sheth

Wettkämpfe:
Seit ihrem ersten Wettkampf im Alter zwischen neun und zehn Jahren hat sich Jenny eine Wettkampfroutine geschaffen und perfektioniert. Ihre ganz eigenen Rituale -ebenso wie das Treffen intuitiver Entscheidungen – spielen für sie eine entscheidende Rolle für ein erfolgreiches Rennen.
Neben Atemübungen und der Angewohnheit ihren Wettkampfanzug erst in letzter Sekunde anzuziehen (was laut Jenny bereits den ein oder anderen Trainer mächtig ins Schwitzen gebracht hat), betritt Jenny den Vorstartraum erst so spät wie möglich. Der Fokus liegt auf ihr selbst und ihrem eigenen Rennen. Das Einschwimmen lässt sie manchmal, abhängig von ihrer Tagesform, weg. Sie betont jedoch, dass die Notwendigkeit des warm-ups im Becken sehr individuell sei und sie das nach langjähriger Wettkampferfahrung für sich herausgefunden hat. Mehr als 800 Meter legt Jenny beim Einschwimmen vor einem Start jedoch nicht zurück. Momenten schwört sie für den letzten Energiekick auf einen kleinen Booster circa 30-45 Minuten vor ihrem Start. Eine Zeit lang hat sie auf Wettkämpfen auch etwas Cola getrunken, wobei auch hier der Zeitpunkt der Einnahme nicht zu vernachlässigen sei.
Motivation:
Auch beim Thema Motivation präsentiert sich eine souveräne und mit viel Selbstvertrauen ausgestattete Jenny Mensing. Ihr größtes Vorbild: sie hat keins. Schließlich liegt ihr Fokus auf ihr selbst und sie lässt sich von anderen nicht beeindrucken – ein wahrscheinlich bedeutender Faktor für ihre Ruhe und Gelassenheit. Für Jenny ist es klar, dass sie auch nach Niederlagen wieder aufsteht, denn sie sieht sich als Kämpferin und hat ihre dritten Olympischen Spiele im Visier. Besonders wichtig ist es Jenny ihren jungen Fans mit auf den Weg zu geben, dass der Spaß am Schwimmen der entscheidendste Faktor für eine erfolgreiche Karriere im Leistungssport ist – er ist ihre größte Motivation. Man soll schließlich lieben was man tut.

Shila Sheth – Landestrainerin