Marco Koch im HSV Online Interview – „Ziehe Spielekonsole und Dschungelcamp einem Buch oder Let`s Dance vor“

Seit einigen Wochen beherrscht das Corona Virus die weltweiten Schlagzeilen und unser aller Leben. Gerade wir Schwimmer sind von den strengen Beschränkungen in Bezug auf unseren doch so geliebten Sport stark betroffen. Bis mindestens 01. Juni haben die Frei- und Hallenbäder in Hessen noch geschlossen. Wie es dann weiter geht und unter welchen Bedingungen wo Training möglich sein wird, entscheiden die Betreiber der Bäder vor Ort. Bereits abgesagt wurden bis zu den Sommerferien alle Wettkämpfe, athletisch trainiert werden musste zu Hause oder allein im Freien. Kontakte zu den Trainern und den Teamkollegen konnten nur noch über das Tablet oder Smartphone aufrechterhalten werden. Dank Internet ist hier vieles möglich. Soziale Netzwerke, Messenger und Video-Plattformen wie Skype oder Zoom sind essenziell. Kreativität ist gefragt!

TN Onlinesitzung mit M. Koch

Um mit seinen Kaderathleten in Kontakt zu bleiben, hat der Hessische Schwimm-Verband unter der Rubrik „Was ich schon immer mal wissen wollte…“ hessische TOP Athleten zu einem Live-Interview über Zoom gebeten und wird sie mit der einen oder anderen Frage konfrontieren, die sie vielleicht so noch nicht gestellt bekommen haben. Landestrainerin Shila Sheth hatte die Idee zu diesem „Live-Meeting“, an welchem alle hessischen Landeskadersportler und ihre Trainer teilnehmen können. Von den Kader-Sportlern und ihren Trainern stammen auch die Fragen, welche unsere Spitzensportler beantworten müssen. Den Auftakt machte am vergangenen Donnerstag (21. Mai) Weltmeister und Olympiateilnehmer Marco Koch. In einem 60minütigen Live-Chat beantwortete Marco über 50 Fragen zu seinem persönlichen Umfeld, zum sportlichen Bereich (Training und Wettkampf) sowie zu seiner Motivation.

Der Schwimmsport begleitet Marco seit seinem achten Lebensjahr. Im Odenwald begann sein Weg „ins Nass“. Sein Bruder, der schon länger im Schwimmverein in Michelstadt aktiv war, hat Marco zum Schwimmen gebracht. Das Brustschwimmen war die erste Lage, die er erlernte. Marco hatte von Angang an Spaß an der Bewegung im Wasser. Sobald er ins Wasser springt, ist er in seinem Element. Heute verbringt er pro Tag mehrere Stunden im gekachelten Becken sowie im Kraftraum und ist auf Wettkämpfen rund um die Welt unterwegs. Der Schwimmsport bestimmt seinen Lebensalltag und wurde zur Profession aus Leidenschaft. Bereits mit 12 Jahren träumte er davon, Profisportler zu werden. Er hat es geschafft – seit 2009 finanziert er seinen Lebensunterhalt durch Sponsoren und Preisgelder.

Mit der Corona-Krise hat sich auch der Tagesablauf von Marco in den letzten Wochen verändert. Nachdem das Trainingsbad in der Sportschule geschlossen war, musste auch er, genau wie alle anderen hessischen Kaderathleten, eine „Wasserpause“ einlegen. Mit Radfahren hat er sich u.a. fit gehalten, da er eher ein Ausdauersportler ist. Fußball und Tanzen sind nichts für ihn, deshalb würde er auch das Dschungelcamp später einmal Let`s Dance vorziehen. Ebenso nach einem anstrengenden Trainings- oder Wettkampftag in seiner Freizeit zusammen mit seiner Freundin Reva Foos die Spielekonsole, statt einem Buch. Wer an der Spielekonsole im Vergleich aber öfters erfolgreich ist, wollte er im Interview nicht verraten.

M. Koch Foto_ S. Sheth

Sein Trainingsalltag unterscheidet sich vom Trainingsalltag seiner deutlich jüngeren „Interview-Partner“ allerdings nicht. „An seiner Technik muss man immer arbeiten, auch meine ist noch nicht perfekt“, ließ er die aufmerksam zuhörenden Nachwuchssportler und Trainer wissen. „Ein Brustarmzug, zwei Brustbeine sind meine Technik-Lieblingsübung“. Auch achtet er auf eine ausgewogene Ernährung sowie auf ausreichende Regenerationsphasen mit viel Schlaf. Noch mit 14-16 Jahren hätte er eine gesunde Ernährung belächelt, heute ärgert er sich, dass er nicht früher seine Ernährung umgestellt hat.

Vor Wettkämpfen sei auch er heute noch nervös, egal ob bei einer Hessischen Meisterschaft oder einem WM-Finale. Eine gewisse Grundanspannung sollte jeder Sportler vor dem Start mitbringen. Dafür habe er schließlich trainiert und ist gemeinsam mit seinem Trainier 1000mal alles durchgegangen. Er freue sich auf jedes Rennen und ist dabei immer sehr fokussiert. Ein festes Ritual habe er ab nicht. „Dafür habe ich bei Reisen zu Wettkämpfen oder Trainingslagern immer mein eigenes Kopfkissen im Koffer, damit ich im Hotel besser schlafen kann“.

Olympia 2020 hat sich verschoben – Tokyo bleibt aber weiterhin sein Ziel. In ein „Loch“ ist er nach der Absage der Olympischen Spiele für dieses Jahr nicht gefallen, auch wenn die Motivation am Anfang etwas zu wünschen übrig lies und er erstmal die Beine hochlegte. Der durch Corona ausgelöste Stillstand war für den Schwimmstar vor allem mental belastend. Sehr schnell hat Marco dann aber die Situation angenommen und zusammen mit seinem Trainerteam ausgewertet. „Wer weiß für was es gut war. Ich werde das gewonnene Jahr nutzen, habe dadurch mehr Spielraum meine noch vorhandenen Schwächen weiter zu beseitigen. Es gibt noch 1000 Sachen wo man dran arbeiten kann“, sagt ein Weltmeister und mehrfacher Olympiateilnehmer.

Marco fühlt sich als Individualsportler wohl. Ihn reizt und fordert es, dass er ganz alleine für sich selbst und seine Leistungen verantwortlich ist. „Ich kann es mir an keinem Tag erlauben, mich hinter anderen zu verstecken“. Eine gehörige Portion Selbstbewusstsein hilft ihm dabei. Aber auch der Rückhalt der Familie. An aufhören hat Marco Koch noch nie gedacht. Auch wenn er sich über die Zukunft schon Gedanken macht. Mit seiner jetzigen Situation ist er „glücklich“. Wie es später einmal weiter geht, lässt er auf sich zukommen.

2021 steht dann mit 31 Jahren hoffentlich Olympia an. Bei den Tokio-Spielen will der Hesse auf seiner Paradestrecke über 200m Brust um eine Medaille kämpfen. „Ich bin für Olympia nicht weniger optimistisch als ich es dieses Jahr gewesen wäre“. Mit seinen Trainern Dirk Lange und Landestrainerin Shila Sheth habe er sich ein neues Ziel gesetzt. Verraten hat er das Ziel im Interview nicht – aber sicherlich geht es in Richtung schnell, sehr schnell. Mindestens aber in Richtung einer schönen persönlichen Bestleistung.

Das wünschen Marco auch alle hessischen Kadersportler und Trainer und danken ihm für das tolle und sehr offene Online-Interview über Zoom. Sicherlich werden gerade die jungen Sportler aus den zahlreichen interessanten Antworten die eine oder andere Anregung für ihren Trainings- und Wettkampfalltag aufgeschnappt haben und umsetzen.

In der kommenden Woche im zweiten Online-Meeting steht dann Sarah Köhler den hessischen Kaderathleten und Trainern Rede und Antwort. Wir freuen uns drauf!

Von: Stefan Sonnenschein – ehem. HSV-Vizepräsident