Mindestens 2779 Kinder haben im Jahr 2019 in hessischen Schwimmvereinen die Prüfung zum Erwerb das Abzeichen Seepferdchen abgelegt, 1138mal überreichten die Schwimmlehrkräfte den Jugendschwimmschein in Bronze. Das ergab die aktuelle Abfrage des HSV bei seinen Mitgliedsvereinen.
Wie der Verband ergänzend mitteilt, liegen die Zahlen im langjährigen Trend. Die Beantwortung der Fragebögen ist freiwillig und die Ergebnisse spiegeln immer nur die Daten von etwa einem Drittel der Vereine wieder. Dennoch lohnt sich ein Blick auch auf die weiteren Ergebnisse.
Noch immer haben viele Vereine keine eigenständige Nachwuchsausbildung. Sieben Vereine haben das auch in ihren diesjährigen Antworten dokumentiert, von 26 weiteren Vereinen sind solche Informationen aus den letzten Jahren bereits bekannt. Meist verzichten die Vereine nicht freiwillig auf die Ausbildungsmöglichkeiten. Immer wieder hört der Verband, dass die Badbetreiber Vereinsschwimmschulen als Mitbewerber am Markt ausschließen.
Dieser Ausschluss trifft nicht nur die Vereine. Auch die Kinder aus Familien mit einem geringeren Haushaltseinkommen haben unter diesen Umständen oft keine Möglichkeit ihren Schwimmlernprozess erfolgreich abzuschließen. Für die Vereine bleibt noch die Option im Netzwerk mit Schulen im Ganztag den Mädchen und Jungen eine Schwimmausbildung zu ermöglichen und aus dieser Zusammenarbeit neue Mitglieder zu gewinnen.
Anderen Vereinen fehlen für die für eine Ausbildung notwendigen örtlichen Gegebenheiten vollständig. Ihnen sind die Lehrschwimmhallen an Schulen geschlossen worden, ein Ersatz ist in erreichbarer Nähe nicht zur Verfügung.
Tiefwasser in der Schwimmausbildung
Die aktuelle Bädersituation in der Schwimmausbildung hat der HSV in der Befragung noch einmal gesondert abgefragt. Zwei von drei Vereinen verfügen über die Möglichkeit, ihren Schwimmunterricht im „Flachwasser“ durchzuführen. Sie nutzen eine Lehrschwimmhalle oder ein Kombi-Bad mit einer für Nichtschwimmer angenehmen Wassertiefe. Allerdings musste jeder sechste Verein, der die Frage beantwortet hat darauf verzichten. Hier sind erweiterte pädagogische Konzepte gefragt, die der Verband in Fortbildungen aufgreifen wird.
Brustschwimmen weiter die Nummer Eins
Trotz der inzwischen seit über 40 Jahren darüber tobenden Debatte – das Brustschwimmen ist in Hessens Vereinen weiterhin die beliebteste Erstschwimmart. Fast jeder dritte Verein wählt die Gleichzug- und -schlagtechnik, um den Kindern den Vortrieb zu erklären. Sie bestätigen damit die Aussagen der Kommission Sport der Kultusminister, die in der neuen Handreichung zur Schwimmausbildung in der Schule aus verschiedenen Gründen die von vielen Schwimmlehrkräften verpönte Schwimmtechnik empfehlen.
Noch mehr der befragten Vereine haben angegeben, gleichzeitig mehrere Schwimmarten zu vermitteln. Ob bzw. wie die Kinder dort wirklich drei Schwimmarten gleich zu Beginn der Schwimmausbildung erlernen, bedarf weiterer Untersuchungen.
Keiner der antwortenden Vereine bietet ausschließlich das Kraul- oder Schmetterlingsschwimmen als Erstschwimmart an, nur drei Vereine nutzten die Variante eines Technikmix. Dabei wird meist eine Kombination aus Brust Armbewegungen und Kraulbeinbewegungen bevorzugt.
Erst Kurs dann Dauerangebot
Fast alle Vereine haben in der Befragung Angaben zu ihren Ausbildungsstrukturen gemacht. 65,9 Prozent starten mit Schwimmkursen, knapp Zweidrittel davon überführen die Schwimmschüler im Verlauf der Ausbildung in ein dauerhaftes Vereinsangebot. Ein Viertel der Vereine teilte dem Verband mit, sie hätten ein fortlaufendes Aufnahme- und Entlassungsverfahren, 10 Prozent verfügt über beide Organsiationskonzepte, der Rest machte keine Angaben.
Hier könnte das ebenfalls in der KMK vorgelegte Ausbildungs- und Niveaustufenmodell den Weg weisen. Die Experten der KMK, Praktiker aus den Verbänden und Wissenschaftler der DVS empfehlen Niveaustufen in der Schwimmausbildung zu nutzen, um die Lernfortschritte zu dokumentieren. Den Anfang macht die Wassergewöhnung. Ihr folgt das Beherrschen der Grundfertigkeiten und dann folgt die Basisstufe Schwimmen können. Die Stufen zwei und drei sind mit Leistungsanforderungen und Prüfungsaufgaben hinterlegt, die nun wissenschaftlich evaluiert werden. Vielleicht erspart dieses gestufte Konzept in Zukunft die Frage, warum mehr als doppelt so viele Kinder in den Vereinen ein Seepferdchen erwerben, als das Schwimmabzeichen in Bronze.

Von: Axel Dietrich – ehem. HSV-Vizepräsident