Zoom Konferenz mit Jan-Philip Glania Foto: S. Sheth

In Osthessen – bei den Wasserfreunden in Fulda groß geworden – zählt Jan-Philip nach seinem Wechsel zur SG Frankfurt heute zu den außergewöhnlichen Personen in der hessischen Welt des Sports. Ein Sportler, der seine sportlichen Ziele mit großer Entschlossenheit verfolgt, ein Mensch, der sich neben dem Sport ein weiteres Lebensziel aufgebaut hat: Das inzwischen erfolgreich abgeschlossene Studium der Zahnmedizin mit  realistischen Gedanken an eine Promotion. Wie auch bei den Gesprächen mit Marco Koch und Sarah Köhler hatte die Landestrainerin Shila Sheth auch dieses Mal interessierte Sportler und ihre Trainer zu der Fragestunde eingeladen.

Die gestellten Fragen waren wie zuvor in folgende vier Bereiche gegliedert: der persönliche Bereich, einer das Training betreffend, in Wettkampf und in Motivation. Kategorie: PERSÖNLICHES Alles begann in Fulda, die älteren Geschwister waren auch bei den Wasserfreunden und fast zwangsläufig folgte der Jüngste. Mit Zunahme der Leistungsfähigkeit steigerte sich der aufzubringende Zeitaufwand. Das Zeitmanagement ist ein bedeutendes Fenster im Leistungssport. Dort wo die notwendigen Anforderungen durch den Trainer und die der Schule/Ausbildung aufeinandertreffen, muss der Tag bestens strukturiert sein. In der Schule werden die Freistunden zum Lernen genutzt, im Studium potenzieren sich diese Anforderungen. Letztendlich zählt die getroffene Entscheidung und das daraus folgende konsequente Handeln für den einen oder den anderen Weg. „Als eine große Hilfe haben sich die Trainer offenbart. Matthias Karge zeichnete die ersten Schritte in Fulda; bei Michael Ulmer konnte ich Erfahrungen auf hohem Niveau für mich nutzen, die verstärkt wurden durch das Training bei der Landestrainerin Shila Sheth.“ Vor bedeutenden Wettkämpfen wie den Olympischen Spielen oder den Weltmeisterschaften musste im Studium ein sogenanntes Urlaubssemester herhalten, um so den Anforderungen des Sports gerecht werden zu können. Es hat sich immer gelohnt. Der Wechsel nach Frankfurt zum EFSC erfolgte 2009, es folgte die Zeit bei der Bundeswehr, an der Uni gab es eine Hiwi-Stelle. „Nach zwei Jahren bin ich bewusst nach FFM gewechselt. Die Entscheidung war gefallen und ich wollte unbedingt vorne mitschwimmen. In Frankfurt waren mit Helge Meeuw und Marco di Carli Schwimmer, an denen ich mich entwickeln konnte, sportlich wie beruflich.“ „In der Jugend war ich nicht berauschend, einmal Teilnehmer bei den JEM, nie Mitglied im C-Kader gewesen – also eher hinterher geschwommen. Ich war bei den OS in London, doch zuvor nie bei einer EM.“

Wie erwähnt ist das Sportlerleben von Jan-Philip vor allem durch seine duale Karriere gekennzeichnet. „Warum habe ich mich für das Studium der Zahnmedizin entschieden?“ „Wie andere Mitschüler habe auch ich nach dem Abi keine berufliche Vorstellung gehabt. Ein Kollege hat mich informiert und mich für dieses Studium begeistert. Das Studium ist ein hervorragender Mix aus Praxis und Theorie.“ Doch mit der Entscheidung für Zahnmedizin waren die Begehrlichkeiten noch nicht gestillt. Eine Ausbildung zum Piloten hat Jan-Philip „so nebenbei“ bestanden. Als Pilot hätte er 2014 mit dem Schwimmen und dem Studium aufhören müssen – letztendlich blieb die Entscheidung jedoch bei Schwimmen und Zahnmedizin. Und so sehen die zahnmedizinischen Pläne für die Zukunft eine Weiterentwicklung vor, ohne dass jetzt schon eine finale Entscheidung gefallen ist. Wie war das alles zu schaffen? Zeit sehr intensiv nutzen, auch einmal keine Zeit haben, alles in Maßen genießen…. Auch Partys😉 Wenn die Frage nach dem liebsten Ort für ein Trainingslager gestellt wird, dann kommt überzeugend BELEK in der Türkei als Antwort. Es war immer super.  

Der Glaniator Foto: J. Kleindl

Kategorie: TRAINING Das „Sich fit halten“ in der Corona-Zeit war für alle Sportler von besonderer Bedeutung. Es war keine leichte Zeit. Im Trainingslager mit dem HSV kurz vor dem Lock-down stellte sich ein super Gefühl ein. Gefolgt von Einschränkungen. Dort wo Normen erreicht werden sollten, da kamen Wettkampfabsagen – Stockholm, Tokyo etc.. „Die Absage der OS war ein schwerer Schlag und für mich als alten Sportler besonders schwer. Das Karriereende nach den OS war eigentlich eingeläutet. Und die Zukunft? In Ruhe überlegen, abwägen und entscheiden ob ich noch ein Jahr weitermache. Ich mache weiter wenn ich Lust habe, wenn diese fehlt, dann höre ich lieber auf.“ Seit kurzer Zeit geht er seiner Arbeit bei einem befreundeten Zahnarzt nach. Aktuell wird 3 – 4x/Woche trainiert. „Ich muss erst einmal wieder Leidenschaft entwickeln“. Auf Grund der beruflichen Belastung ist es im Moment einfacher, das Training vornehmlich an Land durchzuführen. Es besteht natürlich ein großer Unterschied in der Trainingsbelastung zwischen heute und der Zeit vor Corona. Dort waren es in Ffm zwei Wassereinheiten pro Tag, 1 TE Landtraining, Physiotherapie. Interessiert waren die Teilnehmer an Fragen zur Technik im Rückenschwimmen. Wie schwimmt man geradeaus? Immer ein großes Problem. Jan-Philip orientiert sich an die Leinen – auf der Bahnmitte verliert er die Orientierung. Es ist für ihn durchaus ein Problem. Worauf kommt es beim Rückenschwimmen an?  Für Jan-Philip kommt es auf eine gute Wasserlage und eine gute Zuglänge an. Der Abdruck und das Eintauchen sind für ihn von besonderer Bedeutung. Wichtigste Aspekte für eine gute Wende? Wichtiger Aspekt bei einer Wende ist die Tauchphase. Mit Michael Ulmer hat er in dieser Beziehung einen gnadenlosen Trainer. Tauchen, tauchen und immer wieder tauchen stand auf dem Programm; die Tauchphasen mussten oftmals länger als 15m sein. Es hat sich ausgezahlt. Dort wo andere Schwimmer sich an der Wasseroberfläche bemühten, dort konnte Jan-Philip seine Tauchphase auf der letzten Wende nach ausspielen und genießen. Es war eine harte Zeit im Training, der Erfolg aber umso erfreulicher. Die liebste Serie im Training? Gesteigerte Serien – sie sind besonders beliebt für die Entwicklung eines Zeitgefühls. Gibt es besondere Technikübungen? „Schwimme gerne einarmig, weil man sich gut auf die Technik konzentrieren kann.“ Regeneration?  Physio, Ernährung, kein Alkohol und viel Schlaf. Besondere Übungen zur Regeneration gab es nicht – es waren allerdings immer Dinge ohne zu schwimmen. Rückenstart? Dieser wurde sehr viel trainiert, positiv waren die Starthilfe. Zwangsläufig hat sich die Starttechnik durch die Hilfen verändert.

Kategorie: WETTKÄMPFE Wie bei vielen Kindern, so waren Clubmeisterschaften die ersten Wettkämpfe. Die Qualität der Wettkämpfe hat sich mit zunehmender Leistungsfähigkeit entwickelt. Die JEM waren der erste internationale Auftritt. Oft hat es an Lust für Training gefehlt, doch dann fehlte das Schwimmen! Immer wieder Neues auszuprobieren, das war und ist wohl eines der markanten Merkmale der Karriere von Jan-Philip. 2015 ging es für ein paar Monate in die USA nach Los Angeles. Ein Urlaubssemester musste dafür herhalten. Es war hoch interessant zu erleben, wie sie es machen immer auf den Punkt fit zu sein. Aus den Trainingserfahrungen sammelte Jan-Philip die Motivation, auch diese starken Schwimmer zu schlagen. Rituale vor dem Wettkampf? Ja, sie gibt es bei Jan-Philip. Es ist alles genau getaktet. Einen Tag vor dem Wettkampf steht der Zeitplan! (Hinweis: wie bei Sarah Köhler). ·       Die Verpflegung spielt eine große Rolle. Der Abstand zwischen Nahrungsaufnahme und Start muss bei Jan-Philip groß sein. Als leichte Kost dient auch einmal Babynahrung mit Geschmack. Trinken? Am Morgen Kaffee, vor dem Finale einen doppelten Espresso und dazu viel Wasser, aber keine Apfelschorle, die ihm zu süß ist. ·       Keine Dehnübungen vor dem Start – eher Muskelaktivierung ·       Mittagsschlaf ca. 1 h ·       Keine Musik, sondern Konzentration auf den Start ·       Beim Einschwimmen kommen viele Variationen zum Wassergefühl zur Geltung. ·       „Der Sprung ins Wasser entscheidet über das Einschwimmprogramm.“  

Kategorie: MOTIVATION „Ich benötige Pausen, um auf andere Gedanken zu kommen.“ „Wenn ich mich entschieden habe, dann ziehe ich es durch!“ „Niederlagen sind Bestandteil des Sports, sie ärgern mich aber mächtig.“ „Ich will nicht verlieren!“ „Es gibt Lieblingsgegner – da geht es immer um die Ehre“. „Die Tauchphasen sind mein Faustpfand – darin liegt ein Großteil des Trainings und deshalb habe ich im Wettkampf auch ein gutes Stehvermögen, weil ich dadurch mental stark bin. Wir sind frühzeitig die Tauchphase angegangen. Es ist einfach ein geiles Gefühl, noch zu tauchen während sich die anderen schon an der Wasseroberfläche quälen. Erarbeitet haben wir das in unserer super Trainingsgruppe mit Helge Meeuw und Marco di Carli, dort haben wir uns gegenseitig festgebissen.“ Möchtest Du bei den OS eine Medaille gewinnen? „Wer möchte das nicht! Aber Ziele müssen immer realistisch sein. Für mich wäre eine Endlaufteilnahme ein großes Ziel.“ Wo siehst Du Dich in fünf Jahren? „Irgendwo vielleicht als niedergelassener Zahnarzt mit eigener Praxis.“ Olympische Spiele sind immer außergewöhnlich. „Bei den ersten OS da wusste ich überhaupt nicht wie ich alles aufnehmen und verarbeiten sollte. Es war gigantisch, ein Traum. Einmalig. London war für mich ein einziger Adrenalinkick.“ Die Kosten im Schwimmsport sind hoch. Jan-Philip hat sich als Unterstützung in Fulda einen Sponsorenpool aufgebaut. Aber nicht nur mit Hilfe seines Bruders gelang es recht zügig, Jan-Philip ist selbst zu den Firmen gefahren und hat dort oftmals erfolgreich vorgesprochen. Wertvolle Tipps für junge Sportler und Sportlerinnen ·       „Spaß am Sport haben ·       Spaß am Schwimmen haben ·       Nicht entmutigen lassen ·       Ziele nicht durch die duale Karriere beeinflussen lassen ·       Man kann eine coole Zeit im Sport haben“   Deine Heimat? ·       „Fulda ist meine Heimat ·       Frankfurt hat sich zu meiner zweiten Heimat entwickelt.“

Von: Dr. W. Freitag, HSV Ehrenpräsident