Der Glaniator – Jan-Philip Glania beendet seine sportliche Karriere

Eigentlich wäre Jan-Philip Glania in diesen Tagen gern in Tokio gewesen. Die Olympischen Spiele sollten der krönende Abschluss

J.-P. Glania – Foto J. Kleindl – „Start in ein neues Leben“

seiner langjährigen Karriere als Leistungsschwimmer werden. Doch dann kam Corona und der erfahrene Rückenschwimmer musste wie so viele andere seine Pläne über den Haufen werfen. Während die jüngeren Athleten die Verschiebung der Spiele als zusätzliche Vorbereitungszeit sehen können, hätte der 31-Jährige seine Karriere ungewollt verlängern müssen. Ein Schritt, den Jan-Philip Glania nicht gehen wird, wie er am Dienstag bekanntgab.
„Ab September werde ich meine sportliche Laufbahn beenden und in meiner Heimat Fulda als Zahnarzt beginnen. Auf diesen Start in ein neues Leben freue ich mich sehr“, teilt der in seiner Laufbahn unter anderem „Glaniator“ getaufte Nationalschwimmer seinen Fans mit. Schon im zurückliegenden Jahr hatte er sein Studium beendet und sich damals dafür entschieden, den Angriff auf Tokio zu starten, bevor er ins Berufsleben einsteigt. Viele hatten sich schon auf einen spannenden Kampf um den Platz in der deutschen Lagenstaffel gefreut, bei dem Glania nicht nur Konkurrenz von seinem langjähriger Gegner Christian Diener sondern auch dem Newcomer Ole Braunschweig und Comeback-Schwimmer Marek Ulrich bekommen hätte.

„Als passenden Abschluss meiner sportlichen Karriere hatte ich mir die Teilnahme an den Olympischen Spiele 2020 vorgestellt. Doch auch wenn dieser Wunsch wegen der Verschiebung der Spiele unerfüllt bleiben muss, trübt dieses letzte Jahr ohne ein weiteres sportliches Highlight meine schönen Erinnerungen an die tolle Zeit im Schwimmsport nicht“, so Glania, der sich bei Weggefährten und Trainern wie Michael Ulmer, Mark Jayasundara, Shila Sheth, Matthias Kage, Uwe Witte und Stefan Döbler sowie seinem Umfeld für die Unterstützung in den zurückliegenden Jahren bedankt.
Glania verabschiedet sich als amtierender Deutscher Rekordhalter über die 200m Rücken. Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2012 gelang es dem Frankfurter in 1:55,87 Minuten als erstem und bisher einzigen deutschen Schwimmer unter die 1:56er-Marke zu schwimmen. (Zum Vergleich: WM-Bronze 2019 in Korea gab es für 1:55,85 Minuten). In London konnte er dann unter den Top Ten landen. Vier Jahre später wiederholte er dies bei den Olympischen Spielen in Rio und durfte mit der Lagenstaffel auch im Endlauf ran. Highlights seiner internationalen Laufbahn waren zudem die Bronzemedaillen bei der WM 2015 mit der deutschen Mixedstaffel und bei der Heim-EM 2014 in Berlin über die 100m Rücken.
„Diese lange Zeit im Schwimmsport hat mich und mein Leben nachhaltig geprägt und wird mich immer wieder voller Freude und Stolz zurückblicken lassen“, schreibt Glania und hat auch ein paar Worte für diejenigen, die jetzt den erneuten Angriff auf Tokio starten wollen: „Ich drücke allen Schwimmern und Sportlern die Daumen, dass sie ihren Traum von Olympischen Spielen in Tokio 2021 verwirklichen und an sicheren, coronafreien Spielen teilnehmen können.“

Der Hessische Schwimm-Verband drückt Jan-Philip die Daumen für seinen weiteren Werdegang und bedankt sich für eine herausragende Zeit mit ihm.

Karius und Baktus, nehmt euch in Acht – der Glaniator kommt und schaut nach euch!

Internetzugriff Swimsportnews vom 04.08.2020, HSV Geschäftsstelle