Aufschwung oder neuer Frust? Was hat die WM in Südkorea für den DSV gebracht?

einzelne Fotos: J. Kleindl

2623 Athleten aus 194 Ländern waren für die 18. FINA Schwimm-Weltmeisterschaften vom 12. bis zum 28. Juli 2019 gemeldet, das Teilnehmerfeld war ähnlich dem der vorolympischen WM 2015 in Kasan. Bevor die Medaillen im Becken in der zweiten Woche vergeben wurden, standen andere Sportarten im Vordergrund. Den Auftakt machten die Wasserspringer vom Ein-Meter-Brett und die Synchronschwimmerinnen. Die Freiwasserschwimmer waren in Yeosu ebenfalls bereits am ersten WM Wochenende gefordert. Zudem wurde über den gesamten Zeitraum Wasserball gespielt und die Klippenspringer haben am letzten Wochenende aus großer Höhe für spektakuläre Bilder gesorgt.

Es war die erste Schwimm-WM in Südkorea und damit auch eine Premiere für das Gastgeberland. Südkorea war davor schon oft Gastgeber internationaler Sportveranstaltungen, wie etwa gemeinsam mit Japan für eine Fußball-Weltmeisterschaft oder auch im Wintersport bei Biathlon und bei den olympischen Winterspielen, bei der Schwimm WM betrat man aber Neuland.

Einige deutsche Sportler wollten ein Jahr vor Olympia um die WM Medaillen mitkämpfen. Es ging aber auch um zahlreiche Startplätze für Tokio 2020. Nach Olympia-Nullnummern und turbulenten Zeiten im Verband hoffte der DSV, auch die insgesamt enttäuschenden Titelkämpfe 2017 vergessen zu  machen und den leichten Aufwärtstrend der EM 2018 fortsetzen. Die aus deutscher Sicht erfreulichen Europameisterschaften vor einem Jahr in Glasgow, als es alleine acht Beckenmedaillen gab, sind aber kein Maßstab für das Kräftemessen mit dem Who`s Who im Schwimmsport.

Die Bilanz steht und fällt mit den Erfolgen in den prestigeträchtigen Beckenwettbewerben. Zu den Favoriten im Becken zählten allerdings auch dieses Mal nur wenige DSV-Athleten. Und die Freiwasserschwimmer wollten nach den medaillenlosen Titelkämpfen vor zwei Jahren wieder angreifen. Medaillenziele verkündete der Deutsche Schwimm-Verband deshalb auf dem Weg zu den Sommerspielen in einem Jahr keine. Ein Aufbruchssignal sollten die fast zwei wöchigen Titelkämpfe im zunächst regnerischen und trüben Gwangju aber auch ohne Aussichten auf viel Edelmetall werden. Und jetzt?

In der Breite konnte das deutsche Team sicherlich zulegen: Das ist aber nicht neu. Vor allem im Becken kommt es aber immer wieder auf Einzelkönner an, die am Tag X Topleistungen abliefern müssen. Zu oft glückt das aber leider nicht. Überraschungen bleiben sehr oft ganz aus! Zwar ist eine gewisse Breite bei den Staffeln, die sich ja mit einer Top-12- Platzierung den Olympia-Startplatz sichern, vorhanden. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung fallen achte oder neunte Plätze nicht ins Gewicht. Wie hat sich das verjüngte DSV-Team im Reigen der Weltelite nun geschlagen?

Mit insgesamt sieben Medaillen beendet das deutsche Team die Weltmeisterschaften 2019 auf dem siebten Platz des Medaillenspiegel aller Schwimm-Wettbewerbe. Im Gepäck haben die DSV Asse dreimal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze. Insgesamt gelang es Sportlern aus 21 Nationen sich auf dem Siegerpodest zu platzieren. Vor zwei Jahren in Budapest hatte der DSV mit einer Schwimmmedaille und nur Fünf Finalteilnahmen sein schlechtestes WM-Ergebnis der Geschichte erzielt. In diesem Jahr stehen für die Beckenschwimmer 14 Finalteilnahmen, neun davon in Einzelrennen, zu Buche. Eine beachtliche Steigerung. Schade nur, dass darüber hinaus dreimal der undankbare vierte Platz erreicht wurde.

Mit allen sieben Staffeln (100%) konnte sich der DSV für die Olympischen Spiele 2020 qualifizieren. Mehr geht einfach nicht. Dies gelang ansonsten nur Australien, den USA und Russland. Der Fokus auf die Staffeln hat sicherlich zur sehr guten Stimmung im Team beigetragen. Durch die vielen unterschiedlichen Charakteren kann dies eine Mannschaft tragen und sicherlich den einen oder anderen Sportler zusätzlich motivieren.

Ein Sonderlob hat sich sicherlich die WM-Debütantin Anna Elendt verdient. Sie hat ihre Chance genutzt, sich in der Weltspitze zu etablieren. Ihren Erfolg genießen darf sicherlich auch Sarah Köhler, die erfolgreichste WM Athletin im DSV Team. Genau wie Marco Koch, der sich dem Weltniveau wieder deutlich annähern konnte. Und Reva Foos präsentierte sich in den Team-Wettbewerben als sichere Staffelschwimmerin mit Blick Richtung Olympia 2020. Nicht zu vergessen Niklas Frach, der ebenfalls seine Chance nutzte, sich auf der Weltbühne zu präsentieren. Starke HESSEN im vorolympischen Jahr, wohl wissend, dass die Schwimmwelt sehr schnelllebig ist. Diese Erfahrung musste leider auch Alexander Kunert in Korea erfahren. Den internen Ausscheidungskampf für die 4x200m Freistilstaffel hat der Gelnhäuser verloren. Damit blieb im nur die Zuschauerrolle in Gwangju. Aber Kopf hoch – erneut angreifen und Chance nutzen.

작별 인사
(Auf Wiedersehen)

VON: STEFAN SONNENSCHEIN – EHEM. VIZEPRÄSIDENT HSV