DM Berlin 2019 – HESSEN auch in Juniorenwertung erfolgreich!

In der öffentlichen Wahrnehmung waren bei den 131. Deutschen Meisterschaften im Schwimmen in Berlin alle Augen auf die Finals und dort mehrheitlich auf die WM Teilnehmer von Gwangju gerichtet. Dabei wurden in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark an der Landsberger Allee an den vier Wettkampftagen nicht nur die Deutschen Meister/innen ermittelt, sondern auch die Deutschen Juniorenmeister 2019. Aus Sicht des Hessischen Schwimm-Verbandes sehr erfreulich, dass gleich neun heimische Schwimmerinnen und Schwimmer sich auf dem Siegerpodest wiederfanden.

R. Braunberger, Foto: J. Kleindl

Erfolgreichster HSV Athlet war mit drei Juniorenmeistertiteln Richard Braunberger von der SG Frankfurt. Der Schützling von Jan Wolfgarten präsentierte sich zum Saisonhöhepunkt TOP Fit und wurde Deutscher Juniorenmeister 2019 über 400m Lagen, 400m Freistil und 800m Freistil. Zum Abschluss der Titelkämpfe gab es dann noch Bronze über 200m Freistil. Der 19-jährige, der nur eine Woche zuvor mit der DSV-Auswahl in Irland war, hatte anscheinend genügend Motivation mit in die Bundeshauptstadt gebracht, um mit gleich drei persönlichen Bestleistungen in den Freistilwettbewerben zu glänzen. Gut vorbereitet ging auch sein Vereinskamerad Alexander Bauch bei „Die Finals – Berlin 2019“ an den Start. Mit neuer persönlicher Bestleistung von 0:55,96 Sekunden gewann der Frankfurter das 100m Rückenschwimmen und sicherte sich damit den Titel Deutscher Juniorenmeister 2019.

Über einen kompletten Medaillensatz durfte sich Barbara Schaal freuen. Die Schwimmerin vom SV Gelnhausen, die ebenfalls eine Woche zuvor an den „Irish Summer National Championships“ teilnahm,  gewann in Berlin in der Juniorenaltersklasse die Goldmedaille über 200m Rücken, die Silbermedaille über 100m Rücken und die Bronzemedaille über 100m Schmetterling. Anna Elendt, die DSV Newcomerin vom DSW 1912 Darmstadt, setzte sich nur wenige Tage nach der WM nicht nur in der Juniorenwertung sondern auch in der offenen Klasse  über 100m Brust durch. Die 17- jährige Rekordjägerin verbesserte ihre eigene nationale Bestmarke in der AK 18 um drei Zehntelsekunden auf 1:08,06 Minuten.

L. Matzerath Foto: J. Kleindl

Sechs Medaillen in der Juniorenwertung konnten sich vier weitere Sportler der SG Frankfurt sichern. Lucas Matzerath belegte über 100m und 200m Brust den zweiten Platz, genau wie Sebastian Pierre-Louis über 100m Freistil und Niklas Heelein über 1500m Freistil. Anna Fehlinger wurde Dritte über 200m Brust und 200m Rücken. Mit einer Medaille im Gepäck trat auch Natalie Wöltinger die Heimreise nach HESSEN an. Die Schwimmerin vom WSV Großkrotzenburg gewann mit neuer persönlicher Bestleistung die Bronzemedaille über 400m Lagen.

„Es war eine unglaublich lange Saison“, fasste Landestrainerin Shila Sheth nach Beendigung der Titelkämpfe zusammen. Dabei zeigte sie sich sehr erfreut, dass ein Großteil der HSV Perspektivteammitglieder trotz später Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften und fast am Ende der hessischen Sommerferien nochmals mit zahlreichen persönlichen Bestleistungen in Berlin auftrumpfen konnte.

Sicherlich werden die 131. Deutschen Meisterschaften im Schwimmen auch in den kommenden Wochen und Monaten noch für einiges an Diskussions- und Gesprächsstoff bei Sportlern, Trainer und Funktionären sorgen – nicht nur wegen dem späten Termin der Veranstaltung. Auch wenn die Halle an den beiden Finaltagen am Wochenende ausverkauft war, so waren die Schwimmwettkämpfe sportlich angesichts der Nähe zur WM wenig bedeutsam.

Zehn deutsche Meisterschaften in zehn Sportarten an einem Wochenende zeitgleich in Berlin – es war ein Experiment. „Die Finals“ haben schöne Bilder produziert und ihr Publikum gefunden – auch Trial und Bogenschießen bekamen die verdiente Aufmerksamkeit. Die Fernsehzuschauer daheim haben viele neue Namen bisher unbekannter Athleten gelernt. Wer kannte zuvor Fabian Liebig (Moderner Fünfkampf), Sarah Scheurich (Boxen) oder Nina Eim (Triathlon)? Fragt sich nur, wie nachhaltig das Ganze ist und was es dem Deutschen Schwimm-Verband gebracht hat.

Noch ist offen, in welcher Form das Modell „Die Finals“ weitergeführt werden soll, ob jährlich oder zweijährlich, ob immer in Berlin oder auch in anderen Orten. Doch eine unmittelbare Neuauflage im kommenden Jahr wird es schon mal nicht geben. „Das schaffen wir zwischen Fußball-EM und den Olympischen Spielen nicht“, sagen ARD und ZDF unisono. Auch wenn beide Fernsehanstalten mit den Quoten mehr als zufrieden waren.

Sicherlich helfen „Die Finals“ kleinen Sportarten sich besser zu vermarkten. Randsportarten werden in den Fokus gerückt. Was nützt es aber den Bogenschützen, den Kanuten und Fünfkämpfern wirklich, für dieses eine Wochenende in den Lichtkegel gestellt zu werden? Was bedeutet es für Förderung, für Nachwuchs, für Sponsoren? Haben jetzt mehr junge Leute Lust, ins Kanu zu steigen oder in den Boxring? Oder ist das erst der Fall, wenn auch an anderen Wochenenden regelmäßig über Leichtathletik-Meetings, über Turn-Weltcups und Box-Länderkämpfe berichtet wird? Und braucht der Deutsche Schwimm-Verband vielleicht ein medienwirksameres Wettkampfsystem?

Auf die Idee der „Finals“ kamen die Fernsehsender ARD und ZDF, weil es für sie wirtschaftlicher ist, die Meisterschaften zeitlich und räumlich gebündelt zu präsentieren. Die Verbände haben sich aus „Verzweiflung“ unterworfen, da sie sonst mit großer Wahrscheinlichkeit unter den medialen Radar der öffentlich/rechtlichen Fernsehanstalten  gefallen werden. Die Weltmeisterschaften aus Südkorea lassen grüßen…

VON: STEFAN SONNENSCHEIN – EHEM. VIZEPRÄSIDENT HSV